04.09.09
12:08 Uhr

Ansprache von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch anlässlich einer Begegnung mit S.E., Erzbischof Ignatius Kaigama und Seiner königlichen Hoheit Alhaji Abdullahi Haruna Maikano, Emir von Wase, am 3. September 2009 in Jos

Religionsfreiheit als Menschenrecht“

 

Exzellenzen, königliche Hoheit, sehr geehrte Damen und Herren,

bevor ich mit Ihnen einige meiner Gedanken zum Thema „Religionsfreiheit als Menschenrecht“ teile, will ich zunächst meiner Dankbarkeit Ausdruck geben, heute Abend hier in Jos, mitten in dem großen Land Nigeria, mit Ihnen, Herr Erzbischof Kaigama, und Ihnen, königliche Hoheit, zusammen sein zu dürfen.

Ich bin aus Deutschland nach Nigeria gekommen, um die Solidarität der Katholiken in Deutschland mit der katholischen Kirche und mit den Christen Nigerias zu bezeugen. Wir Christen sind ähnlich wie die Angehörigen der islamischen Glaubensgemeinschaft, der umma, Mitglieder einer weltweiten Gemeinschaft, die nicht nur eine Gemeinschaft des Glaubens ist, sondern auch eine Gemeinschaft der gegenseitigen Solidarität und des gegenseitigen Austausches und Lernens.

Lernen durften wir in der letzten Woche von unseren Brüdern in Nigeria, wie sie unter schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen ihren Glauben leben, ihn bezeugen und ihn an die nächste Generation weitergeben. Lernen wollen wir gemeinsam, wie wir Christen noch mehr zur Überwindung von Armut und Leid, Krankheit und Not beitragen können. Einig sind wir uns dabei in der Überzeugung, dass der Glaube an den einen, guten und barmherzigen Gott, der uns alle geschaffen hat und der ein Freund des Lebens ist, uns dazu verpflichtet, mit aller Kraft für bessere Lebensbedingungen, für den Frieden unter den Menschen und für eine gerechtere Welt zu kämpfen.

Nigeria ist ein ähnlich bedeutendes Land in Afrika wie Deutschland in Europa. Die Gestaltung des Zusammenlebens unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften in Nigeria, insbesondere das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen, hat Bedeutung weit über Nigeria hinaus. Auch in Deutschland werden Fragen des Zusammenlebens der Religionen immer wichtiger. Lernen möchten wir Gäste aus Deutschland daher auch etwas darüber, wie die Führer der Religionen gemeinsame Wege zu einem guten Miteinander beschreiten; wie sie dazu beitragen können, den Frieden zu sichern; was sie unternehmen, Unfrieden und Spannungen in Frieden zu verwandeln.

Mit Sorge haben wir Nachrichten aufgenommen, dass es im November letzten Jahres auch hier in Jos zu Spannungen und Gewaltausbrüchen zwischen Menschen christlichen und muslimischen Glaubens gekommen ist. Doch wir haben auch erfahren dürfen, dass Sie, Herr Erzbischof, und Sie Emir von Wase, als die beiden höchsten religiösen Autoritäten dieser Region gemeinsam und mutig Übergriffen und Gewaltausbrüchen entgegengetreten sind. Damit geben Sie  den Menschen ein Beispiel für das gelingende Miteinander von Muslimen und Christen, für den gemeinsamen Einsatz gegen Hass und Gewalt und für die gemeinsame Suche nach mehr Gerechtigkeit. Auf diese Weise bezeugen Sie, dass der eine Schöpfergott, an den Christen und Muslime glauben, zwischen seinen Geschöpfen nicht Hass und Gewalt, sondern Gerechtigkeit und Friede verwirklicht sehen will. Umso dankbarer sind wir, dass Sie uns Gästen aus Deutschland heute Abend Anteil schenken an Ihrer Gemeinschaft.

Islam in Deutschland

Wir haben uns daran gewöhnt, in den Bereichen Wirtschaft und Handel viel von Globalisierung zu sprechen. Inzwischen wird uns immer deutlicher bewusst, dass wir auch im Bereich des Religiösen von Globalisierung sprechen müssen.

Auch für Deutschland gilt, dass das friedliche Zusammenleben und gedeihliche Miteinander von Christen und Muslimen von wachsender Bedeutung für die Entwicklung unseres Landes ist. In Deutschland leben heute rund 4 Mio. Muslime. Das sind mehr als doppelt so viele wie noch vor zwanzig Jahren, und die Zahlen werden weiter steigen. Nach Frankreich und vor Großbritannien hat Deutschland unter allen Mitgliedsländern der Europäischen Union die zweitgrößte muslimische Bevölkerung.

Ursache für diese dynamisch wachsende islamische Präsenz ist die Arbeitsmigration, die in Deutschland Ende der fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts einsetzte und bis in die frühen siebziger Jahre andauerte. Der größte Teil der muslimischen Arbeitsmigranten stammt aus der Türkei. Zur wirtschaftlich bedingten Einwanderung von Muslimen kommt als zweite Ursache hinzu ein jahrzehntelang recht großzügiges Asylrecht, das Deutschland zu einem Zufluchtsort für politisch, rassisch und religiös Verfolgte und für Flüchtlinge aus fast allen Krisengebieten der Welt gemacht hat. Bis in den letzten Jahren die Zugangsbarrieren erhöht wurden, sind insbesondere aus den islamischen Ländern, die von vielen Konflikten heimgesucht werden – darunter auch aus Afrika – viele Hunderttausend Menschen als Flüchtlinge zu uns gekommen. Viele von ihnen haben bei uns dauerhaft Zuflucht gefunden und konnten eine neue Existenz aufbauen.

Trotz seiner vornehmlich türkischen Prägung ist der Islam in Deutschland daher auch ein Abbild der Vielgestaltigkeit dieser Weltreligion. Neben den beiden Hauptgruppen der Sunniten und Schiiten sind auch zahlreiche islamische und aus dem Islam hervorgegangene Sondergruppen vertreten. Wie in Afrika gibt es bei uns einen orthodoxen, primär an den überlieferten Gesetzen der Scharia orientierten und einen eher spirituellen, mystisch geprägten Islam. Die vier sunnitischen Rechtsschulen – Hanafiten, Schafi`iten, Malekiten und Hanbaliten – sind bei uns ebenso vertreten wie die schiitische Dschafaria.

Viel zu lange dachte man in Deutschland, die muslimischen „Gastarbeiter“ würden bald in ihre Heimat zurückkehren. Tatsächlich haben viele von ihnen im Laufe der Zeit damit begonnen, ihre Frauen und Kinder nachzuholen. Damit änderte sich die Situation in tiefgreifender Weise. Brauchten die Muslime zunächst nur Gelegenheiten zur Verrichtung der täglichen Gebete, wuchs mit dem Nachzug der Familien das Bedürfnis nach einer vollständigen islamischen Infrastruktur, die die Praktizierung des islamischen Glaubens und seine Weitergabe an die nachwachsende Generation ermöglicht. Derzeit gibt es in Deutschland schätzungsweise rund 2.500 Moscheen. Sie werden alle von privatrechtlich organisierten muslimischen Vereinen getragen. Schon bald sind im Umfeld der Moscheen spezialisierte Geschäfte für religiöse Literatur, für rituell reine Nahrung und für Kleidung gemäß der islamischen Tradition entstanden. Wie sehr sich die religiösen Verhältnisse in Deutschland gewandelt haben, dies wird u.a. auch daran deutlich, dass der Bundesinnenminister den Islam seit nunmehr drei Jahren als „Teil Deutschlands“ bezeichnet.

Einsatz für die Religionsfreiheit in Deutschland

Deutschland ist in seiner Geschichte und Kultur vom Christentum geprägt. Knapp zwei Drittel der Bevölkerung sind Christen. Politisch und rechtlich gesehen aber ist Deutschland kein christliches Land. 1919 wurden Staat und Kirche bzw. Staat und Religion in Deutschland klar unterschieden, nicht aber streng von einander getrennt. Sie kooperieren zum Wohle der Menschen, die sowohl Bürger des Staates als auch Angehörige einer Kirche oder einer anderen Glaubensgemeinschaft sind. Im Zentrum dieser Kooperation steht die Religionsfreiheit. Bereits die Präambel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen vom 10. Dezember 1948 betont, dass das höchste Streben des Menschen einer Welt gilt, „in der die Menschen Rede- und Glaubensfreiheit genießen“. In einem parlamentarisch-demokratischen Rechtsstaat, wie Deutschland 1919 und dann wieder 1949 einer geworden ist, wird Religionsfreiheit gemäß den Übereinkommen der Vereinten Nationen verstanden als ein Menschenrecht. Die Gewährleistung der umfassend verstandenen Religionsfreiheit zählt in Deutschland daher zu den Grundlagen der staatlichen Ordnung. Der vom Christentum geprägte und wertgebundene, aber im Hinblick auf ein spezifisches religiöses Bekenntnis zugleich neutrale Staat hat daher dafür Sorge zu tragen, dass alle seine Bürger unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit ihren Glauben frei bekennen und praktizieren können.

Die Präsenz des Islam in Deutschland wird im öffentlichen Leben vor allem durch (den Bau von) Moscheen sichtbar. Eine Moschee dient der Verwirklichung der Religionsfreiheit. Ihre Errichtung ist daher im Rahmen der deutschen Rechtsordnung vom Grundrecht auf Religionsfreiheit geschützt. Dies ist nicht nur eine in weiten Teilen der deutschen Politik und Öffentlichkeit vorherrschende Auffassung. Dies entspricht auch der Überzeugung der Deutschen Bischofskonferenz. Die Muslime in Deutschland geben sich heute nicht mehr mit unauffälligen Gebäuden in Stadtrandgebieten zufrieden, sondern sie streben repräsentative Bauten an, oft nach dem Vorbild der großen Moscheen aus der Zeit des Osmanischen Reiches auf dem Gebiet der heutigen Türkei. Menschen, in deren Nachbarschaft eine solche Moschee gebaut werden soll, empfinden dies allerdings oft als Inbegriff des ihnen religiös oder kulturell Fremden. Zudem zeigt sich, dass dem Bau einer Moschee ein Streit darum folg kann, ob überhaupt, und wenn ja wie oft und in welcher Lautstärke vom Minarett aus zum Gebet gerufen werden darf. So gibt es in Deutschland zum Bau großer Moscheen sehr verschiedene Auffassungen und Kontroversen, die indessen Gott sei Dank bislang regelmäßig ohne Gewaltanwendung und alles in allem friedlich gelöst werden. Dazu trägt die Deutsche Bischofskonferenz bei, indem sie das Recht der Muslime zum Bau von Moscheen öffentlich verteidigt und andererseits die Muslime zu mehr Dialog mit der Gesellschaft ermutigt und zu mehr Transparenz bei der Finanzierung auffordert. Zugleich setzt sich die Kirche auf der Ebene der Gemeinden für angemessene Lösungen ein, die den legitimen Interessen aller Beteiligten Rechnung trägt. Die erfolgreiche Bewältigung von Moscheebaukonflikten hat sich wiederholt als Ansatzpunkt für ein offeneres Miteinander erwiesen.

Zu den wichtigsten religionspolitischen Anliegen der Muslime in Deutschland gehört die Verbesserung der religiösen Bildung der in Deutschland heranwachsenden muslimischen Jugend. Die von den Moscheegemeinden angebotenen Korankurse werden fast ausschließlich von Imamen aus den Herkunftsländern durchgeführt. Sie gelten – auch bei vielen Muslimen – als nicht ausreichend. Mit den Korankenntnissen werden häufig zugleich auch die in den Herkunftsländern der jeweiligen Imame geltenden Verhaltensnormen vermittelt, ohne dass die völlig andere Lebenssituation der in Deutschland aufwachsenden Kinder Berücksichtigung findet. Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich vor diesem Hintergrund wiederholt und mit Nachdruck dafür eingesetzt, dass die muslimischen Kinder und Jugendlichen an öffentlichen Schulen unter den gleichen, in der Verfassung verankerten Bedingungen Religionsunterricht erhalten wie christliche. Sie begrüßt, dass inzwischen an mehreren deutschen Universitäten auch muslimische Religionslehrer für die Durchführung von Islamunterricht an öffentlichen Schulen ausgebildet werden.

Die Lehre der katholischen Kirche über die Religionsfreiheit als ein Menschenrecht

Historisch gründet unsere heutige wertgebundene, in religiöser Hinsicht aber neutrale Verfassungsordnung auf der traurigen Erfahrung von blutigen Religionskriegen. In ihrer Folge hat der Staat das Wahrheitsmonopol aus der Hand gegeben, indem er notgedrungen lernte, auf die Durchsetzung religiöser Überzeugungen mit staatlicher Gewalt zu verzichten. Für die katholische Kirche liegt der tiefere Grund für die Anerkennung der Religionsfreiheit als ein Bürger- bzw. Menschenrecht in ihrer Überzeugung, dass Gott den Menschen als ein freies Gegenüber geschaffen hat und dass der Glaube an Gott nur in freier Entscheidung authentisch gelebt werden kann.

Die Lehre der katholischen Kirche zur Frage der Religionsfreiheit hat sich im 19. und 20. Jahrhundert weiterentwickelt und im II. Vatikanischen Konzil ihren bisherigen Abschluss gefunden. Das vielleicht wichtigste aller Dokumente des II. Vatikanischen Konzils ist die Erklärung über die Religionsfreiheit vom 7. Dezember 1965. In diesem Dokument bekennt sich die katholische Weltkirche nach intensiver Diskussion zu der Auffassung, „dass die menschliche Person das Recht auf religiöse Freiheit hat“. Noch wichtiger als dieses Bekenntnis selbst ist, wie es begründet wird: „Ferner erklärt das Konzil, das Recht auf religiöse Freiheit sei in Wahrheit auf die Würde der menschlichen Person selbst gegründet, so wie sie durch das geoffenbarte Wort Gottes und durch die Vernunft selbst erkannt wird.

Nach dieser Lehre der Kirche entspricht Religionsfreiheit mit anderen Worten dem Willen unseres Schöpfers selbst. Diese Erkenntnis ist von größter Bedeutung. Daraus müssen sich nach der Überzeugung der Väter des Konzils Konsequenzen für die staatliche Rechtsordnung ergeben. In der Erklärung zur Religionsfreiheit des II. Vatikanischen Konzils heißt es daher weiter: „Dieses Recht der menschlichen Person auf religiöse Freiheit muss in der rechtlichen Ordnung der Gesellschaft so anerkannt werden, dass es zum bürgerlichen Recht wird.

Mit diesen Aussagen erteilt die katholische Kirche älteren, zuvor von vielen ihrer eigenen Führer vertretenen Auffassungen eine endgültige Absage, denen zufolge Religionsfreiheit dem Anspruch auf Wahrheit unterzuordnen, also nur für die Christen zu fordern und vom Staat nur für Christen zu verwirklichen wäre. Sie stellt sich, indem sie die Religionsfreiheit menschenrechtlich grundgelegt hat, auf den Boden der modernen Verfassungsentwicklungen, welche den demokratischen Rechtsstaat hervorgebracht haben, dessen vornehmste Aufgabe in der Gewährleistung der Menschenrechte einschließlich der Religionsfreiheit liegt. Indem sie diese menschenrechtliche Grundlegung letztlich in der Würde des Menschen und damit in der Schöpfung selbst verankert, liefert sie eine theologische Grundlage für ein friedliches, von Respekt füreinander geprägtes Zusammenleben verschiedener Religionen: Es geht um den entscheidenden  und zukunftsweisenden Auftrag, nicht nur für die eigene religiöse Freiheit, sondern auch für die religiöse Freiheit der anderen einzutreten.

Die fundamentale Wertentscheidung der modernen westlichen Verfassungsordnungen für die Religionsfreiheit entspricht somit auch christlicher Überzeugung. Die Anerkennung der Religionsfreiheit als ein auf die Würde des Menschen gründendes Menschenrecht macht es auf der einen Seite verständlich und im wohlverstandenen Sinne auch notwendig, dass Christen in der Begegnung mit Muslimen für den Gedanken eintreten, dass Christen in islamisch geprägten Ländern in gleichem Maße Religionsfreiheit genießen sollten wie Muslime in christlich geprägten.

Das Grundrecht der Religionsfreiheit steht nicht nur in der deutschen Gesellschaft, sondern nahezu überall in der Welt zunehmend im Kontext der Religionsverschiedenheit und in Teilen der Welt auch der Religionslosigkeit. Wo die Grenzen zwischen der Glaubensfreiheit des einen und der Glaubensfreiheit des andern zu ziehen sind, darüber müssen sich unsere Gesellschaften auf friedlichem Wege verständigen. Christen und Muslime sind auch in diesem Zusammenhang aufgefordert, sich über ihren Glauben auszutauschen, Brücken des Vertrauens zu bauen und den Völkern, in denen sie leben, damit überzeugende Beispiele zu geben. Unter diesem Vorzeichen sehe ich auch unser heutiges Zusammentreffen und die Möglichkeit des Gedankenaustauschs. Dafür bin ich Ihnen von Herzen dankbar.

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Autor: Pressestelle Deutsche Bischofskonferenz
Kategorie: Reden des Vorsitzenden


01.09.09
13:06 Uhr

Grußwort von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch beim Botschaftsempfang in Abuja am 31. August

Sehr geehrter Herr Botschafter,

liebe Mitbrüder,

verehrte Schwestern,

liebe Gäste!

Ganz herzlich darf ich mich bei Ihnen, verehrter Herr Botschafter Schmillen, für diese Einladung zum Abendessen bedanken, das Sie für meine Delegation und mich ausrichten. Ich weiß es sehr zu schätzen, dass Sie diese Form des eher privaten Austauschs über die Situation hier im Land gewählt haben. Zugleich möchte ich es auch nicht versäumen, Ihnen und Ihren Mitarbeitern ein herzliches Wort des Dankes zu sagen für die vielfältige Unterstützung, die Sie uns bei der Vorbereitung dieser Reise gegeben haben. Auch dafür ein ganz herzliches Vergelt’s Gott!

Elf Tage sind wir in Nigeria unterwegs. Ich habe dabei Gelegenheit, fast alle Regionen des Landes zu besuchen. Bereits jetzt war ich im Westen, in Lagos und Ibadan, habe anschließend den Südosten um Calabar, Enugu und Owerri besucht. In den nächsten Tagen werden wir in den Norden nach Kaduna und Jos reisen. Die Vielfalt des Landes, vor allem die unterschiedlichen wirtschaftlichen und kulturellen Situationen stehen uns dabei vor Augen. Aber mein Aufenthalt ist nicht primär eine allgemeine Informationsreise. Als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz möchte ich vorrangig die nigerianische Ortskirche besuchen. So sieht das Reiseprogramm viele Stationen des mitbrüderlichen Austauschs mit meinen Amtsbrüdern in Nigeria vor. Daneben besuchen wir verschiedene Priesterseminare, informieren uns über die Arbeit der Justitia et Pax-Kommission im Land und lernen Projekte und Einrichtungen der Ortskirche kennen, um somit auch mit dem sozialen Engagement der Kirche in Nigeria vertraut zu werden.

Der Begriff „Kennenlernen“ und „Lernen“ überhaupt kennzeichnet dabei – so denke ich – in besonderer Weise die Absicht meiner Reise, die für mich die erste in ein afrikanisches Land überhaupt ist. Wir deutschen Bischöfe haben in einem Wort zur Mission der Weltkirche vor einigen Jahren die Weltkirche verstanden als eine lebendige Lern-, Solidar- und Gebetsgemeinschaft. Wir Katholiken wissen, dass wir in der Einen Kirche weltweit verbunden sind als Gemeinschaft, die miteinander betet, für einander einsteht und um einander weiß. Die persönliche Begegnung und das Bekanntwerden mit den Lebensrealitäten und dem konkreten gesellschaftlichen Umfeld der jeweiligen Kirche ist ein ganz wesentlicher Bestandteil unseres weltkirchlichen Handelns.

Wie Sie wissen, sind insbesondere unsere Hilfswerke Misereor und Missio damit betraut, die solidarische Verbundenheit zwischen den Kirchen des Südens und der Kirche in Deutschland durch ihre Projektarbeit zu verwirklichen. Dabei kann niemals die finanzielle Hilfe die persönliche Begegnung und den direkten Austausch ersetzen. Es freut mich daher, dass Sie Herr Botschafter, auch durch diese Einladung eine Möglichkeit schaffen, diesen Austausch miteinander noch weiter zu vertiefen.

Der interreligiöse Dialog bildet einen Schwerpunkt meiner Reise. Gemeinsam mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der Nigerianischen Bischofskonferenz, Erzbischof Ignatius Kaigama, werde ich daher in den kommenden Tagen mit islamischen Würdenträgern zusammenkommen. In Jos werden wir auch ein Gespräch mit dem Emir von Wase führen. Erzbischof Kaigama und der Emir haben in der von interreligiösen und ethnischen Spannungen gekennzeichneten Region bereits mehrfach unter hohem persönlichem Einsatz den öffentlichen Frieden wiederhergestellt. Beide Seiten haben dabei immer wieder klargestellt, dass für Christen wie für Muslime der Grundsatz gelten muss: Religion darf niemals als Rechtfertigung für Hass und Gewalt missbraucht werden. Meine Begegnungen im Norden Nigerias wollen genau diesen oft schwierigen und mühsamen Weg der Versöhnung und des Dialogs unterstützen und zum friedlichen Miteinander der Volksgruppen und Religionen beitragen. Gleichwohl gilt es in diesem Zusammenhang auch daran zu erinnern, dass die Ursachen der schweren sozialen und ethischen Spannungen in der bitteren Armut weiter Teile der nigerianischen Bevölkerung begründet sind. Die katholische Kirche wird den Aufbau des Landes und der Zivilgesellschaft weiterhin unterstützen. Die Ursachen der Krise können aber nicht zuerst und nicht allein durch die Religionsgemeinschaften beseitigt werden. Hier müssen insbesondere staatliche Organe Verantwortung übernehmen, wenn es darum geht, gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine gerechtere Verteilung des Ölreichtums erwirken oder der Korruption entgegentreten.

Verehrter Herr Botschafter, liebe Gäste,

ich freue mich sehr darauf, Ihre Meinungen und Einschätzungen zur Lage in Nigeria zu erfahren. Danken möchte ich allen, dass Sie sich auf den teils weiten Weg zu dieser Begegnung gemacht haben, danken möchte ich Ihnen, Herr Botschafter Schmillen, ganz herzlich für diese Einladung.

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Autor: Pressestelle Deutsche Bischofskonferenz
Kategorie: Reden des Vorsitzenden


31.08.09
14:37 Uhr

Ansprache von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch beim Empfang für Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft am 30. August in Abuja

„Ethik und Globalisierung“

Am 29. Juni dieses Jahres hat Papst Benedikt XVI. seine Enzyklika „Caritas in veritate“ unterzeichnet. Wenige Tage später wurde sie der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Die Enzyklika hat sich zur Aufgabe gestellt, die katholische Soziallehre unter den heutigen Bedingungen der Globalisierung fortzuentwickeln. Ursprünglich war die Soziallehre der Kirche als Antwort auf die soziale Frage der europäischen Gesellschaften des 19. Jahrhunderts konzipiert. Sie wurde weiterentwickelt. Nach dem Ende der kolonialen Epoche haben Papst Paul VI. und später Papst Johannes Paul II. sie wiederholt auch auf eine Weltsituation bezogen, die im Zeichen des klassischen Nord-Süd-Gegensatzes stand. Nun geht es also auch um die Globalisierung.

Viele haben die Enzyklika von Papst Benedikt mit großer Spannung erwartet. Was – so fragte man sich – wird das Oberhaupt der katholischen Kirche sagen angesichts einer immer enger verflochtenen globalen Ökonomie und der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise, die große Teile der Welt an den Rand des wirtschaftlichen Abgrunds geführt hat? Wie wird der Papst über die tiefe soziale Spaltung der Welt sprechen, in der mehr als einer Milliarde Menschen das Nötigste zum Leben fehlt? Was ist seine Botschaft angesichts des rasanten Verbrauchs von Rohstoffen, wachsender Umweltschäden und eines Klimawandels, der schon in den kommenden Jahrzehnten die Lebenschancen unzähliger Menschen in der ganzen Welt bedrohen könnte?

Viele dieser Fragen werden in der Enzyklika aufgegriffen. Aber Papst Benedikt ist nicht der Versuchung erlegen, ein Rezeptbuch zur Lösung der Weltprobleme zu schreiben. Die Kompetenz der Kirche liegt auf anderer Ebene. Das Bemühen des Papstes richtet sich vor allem darauf, die Zeichen der Zeit zu deuten und der Menschheit einen moralischen Kompass in die Hand zu geben, der für die Lösung der Probleme unerlässlich ist.

Nachdrücklich widerspricht Papst Benedikt der heute weit verbreiteten Auffassung, dass die wirtschaftlichen Entwicklungen allein einer inhärenten Logik folgen. Eine moralische Orientierung und ein ethisch begründeter Einspruch seien in Angelegenheiten der Wirtschaft, so wird von nicht wenigen gesagt, bestenfalls sinnlos, im schlechteren Falle aber gefährlich, weil sie die Ordnungs- und Anreizstrukturen des wirtschaftlichen Lebens nicht respektierten. Daran ist sicher richtig, dass es tatsächlich ökonomische Funktionsprinzipien gibt, die man nicht beliebig außer Kraft setzen kann, wenn man gute wirtschaftliche Resultate erreichen will. Es ist aber falsch und letztlich eine Form von Ideologie, die Wirtschaft als einen hermetisch in sich geschlossenen Kosmos zu begreifen, der einer sittlichen Orientierung des Handelns keinen Raum lässt. Die Welt der Wirtschaft – und das gleiche gilt für die Globalisierung – ist keine Schicksalsmacht, die über die Menschen kommt. Sie ist nicht so etwas wie ein unentrinnbares Naturereignis. Vielmehr: Wirtschaft und Globalisierung sind Menschenwerk. Man kann sie nicht nach der Mode der Saison oder wechselnden Wünschen folgend stets neu erfinden. Aber sie bleiben der Gestaltungsmacht des Menschen und damit auch seinem moralischen Wollen unterworfen.

Bislang hat die wirtschaftliche Globalisierung – die Ausweitung des Welthandels, die dynamische Entwicklung der internationalen Finanzmärkte, die stark angewachsenen Direktinvestitionen in Entwicklungsländern, neue Formen der Arbeitsteilung bei der Herstellung von Produkten und die allmähliche Herausbildung eines Weltarbeitsmarktes – eine gemischte Bilanz vorzuweisen. Auf der Weltebene hat sie das wirtschaftliche Wachstum – wenngleich mit problematischen ökologischen Nebenwirkungen – beschleunigt und den Wohlstand vermehrt. Aber es gibt in diesem Prozess Gewinner und Verlierer, wobei sich das klassische Schema des Nord-Süd-Konflikts zunehmend auflöst. Einige Entwicklungsländer – vor allem in Asien und Lateinamerika – konnten die neuen Bedingungen nutzen und gesamtgesellschaftliche Wohlstandsgewinne erzielen. In vielen Ländern Afrikas hat sich jedoch der Trend zur Abkoppelung vom Weltmarkt eher noch verstärkt und die Armut verfestigt. Manche afrikanischen Staaten machen die Erfahrung, dass ihre Rolle als Lieferanten von Rohstoffen zwar Reichtum erzeugt, aber große Gruppen der Bevölkerung davon nicht profitieren und der Kampf um Ressourcen Konflikte erzeugt, die nicht selten sogar gewalttätig ausgetragen werden. Hier zeigt sich, was auch generell gilt: Zu den Merkmalen der Globalisierung gehört es, dass sie das Sozialgefüge innerhalb der Länder verändert. In vielen Entwicklungsgesellschaften wächst die soziale Kluft zwischen den gesellschaftlichen Schichten. Und auch in den traditionellen Industrieländern des Nordens geht die Schere zwischen Arm und Reich, zwischen Gewinnern und Verlierern der Globalisierung zunehmend auseinander.

Welche Orientierung kann die Kirche in dieser Lage anbieten? Welche Leitgedanken bringt sie in die internationale Debatte ein, wenn es um das Zusammenleben einer immer enger zusammenrückenden Menschheit, um die Gestaltung der Wirtschaft unter dem Vorzeichen der Globalisierung und um die Suche nach gerechteren Verhältnissen für die vielen geht, denen das tägliche Brot verweigert ist? Der Schlüsselbegriff der Enzyklika „Caritas in veritate“ heißt „ganzheitliche Entwicklung“. Papst Benedikt greift dabei auf ein Konzept zurück, das Papst Paul VI. in seiner Enzyklika „Populorum progressio“ aus dem Jahre 1968 geprägt hat.

„Ganzheitliche Entwicklung“: Dieses Leitbild für die Entwicklung der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse ist tief im christlichen Menschenbild verankert, aber prinzipiell, so denke ich, auch jenen zugänglich, die einer anderen Religion oder Weltanschauung anhängen. Wir Christen glauben, dass jeder Mensch nach dem Bild Gottes geschaffen ist. Wir sind als Geschöpf und Mit-Geschöpf auf die Beziehung zu Gott und zu den Mitmenschen hin ausgerichtet. Unser Leben entfaltet sich in diesem Beziehungsreichtum. Entwicklung wird in dieser Perspektive daher als die Entwicklung des ganzen Menschen in all seinen beziehungsrelevanten leiblichen und geistigen Dimensionen begriffen. Eine Entwicklung, die den Menschen auf seine ökonomische Bedeutung reduziert, wird dem christlichen Menschenbild ebenso wenig gerecht wie ein Entwicklungsmodell, welches den Besitz von Gütern über die Beziehungsfähigkeit des Menschen stellt. „Wahre Entwicklung“, so hat es Papst Johannes Paul II. ausgedrückt, „darf nicht in der bloßen Anhäufung von Reichtum und einem wachsenden Angebot von Gütern und Dienstleistungen bestehen, wenn dies nur auf Kosten der Unterentwicklung der Massen und ohne die geschuldete Rücksicht auf die soziale, kulturelle und geistige Dimension des Menschen erreicht wird“. [1]

Die ganzheitliche Entwicklung des einzelnen Menschen ist nicht zu trennen von der Entwicklung aller Menschen. Was die unmittelbare Lebenswelt der Menschen betrifft, ist dies leicht einsichtig: Wir leben in Familien, Gruppen, Völkern und Nationen zusammen. Die Entwicklung der Einzelnen und der Gemeinschaften bzw. Gesellschaften bedingen sich wechselseitig. Diese Einsicht bezieht die Kirche ausdrücklich auch auf die Weltgesellschaft. Denn die ganzheitliche Entwicklung aller Menschen kann unter den heutigen Bedingungen nur gelingen, wenn sich die Völker, wie Papst Benedikt in seiner neuen Enzyklika sagt, „als eine einzige Familie erkennen, die in einer echten Gemeinschaft zusammenarbeitet und von Subjekten gebildet wird, die nicht einfach nebeneinander leben“. [2]

Hier sind zwei Gesichtspunkte zu unterscheiden. Zum einen gebietet es das wohlverstandene Eigeninteresse der wohlhabenden wie der ärmeren Nationen, neue Formen der Zusammenarbeit zu finden, die dem globalen Charakter heutiger Probleme Rechnung tragen. Der Grad der internationalen ökonomischen Verflechtung, die weltweiten Sicherheitsprobleme und die globalen ökologischen Herausforderungen lassen anderes nur um den Preis sich ständig verringernder Handlungsmöglichkeiten zu. Das gemeinsame Interesse von Nord und Süd, Ost und West ist insofern zweifellos eine gute Grundlage und Antriebskraft für die Errichtung einer neuen internationalen Ordnung, die den Bedürfnissen aller Länder und aller Menschen besser gerecht wird als der heutige Zustand der Welt, dessen Krisenanfälligkeit und Zerbrechlichkeit die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise deutlich vor Augen geführt hat. Die Reformpläne, die die „Gruppe der 20“, also die führenden Industrienationen zusammen mit den großen Schwellenländern, auf den Weg gebracht hat, um die Auswirkungen der derzeitigen Krise durch international abgestimmte Maßnahmen zu begrenzen und durch stärkere Regulierung künftigen Verwerfungen vorzubeugen, sind aus dieser Einsicht geboren, dass nur gemeinsames Handeln die Weltgemeinschaft vor schweren Schäden bewahren kann.

Aber allein auf Interessen gegründet – und sei es auch das aufgeklärte Interesse, das die langfristigen Folgen des eigenen Handelns berücksichtigt – können wir das Weltgemeinwohl, von dem Papst Benedikt in seiner Enzyklika so eindrucksvoll spricht, nicht verwirklichen. Ohne Solidarität, die auch ein Moment von Selbstlosigkeit einschließt, kommen wir nicht aus. Denn viele Menschen, die am Rande stehen, sind ökonomisch und gesellschaftlich für den besser gestellten Teil der Menschheit auch auf lange Frist hin letztlich nicht von Bedeutung. Ihr Schicksal kommt im Interessenkalkül der anderen nicht vor. Wir Christen glauben dennoch, dass die Armen, ja dass gerade die Armen uns interessieren müssen. Denn wir sind überzeugt: Auch sie sind nach dem Bild Gottes geschaffen. Auch sie sind unsere Brüder und Schwestern in der einen Menschheitsfamilie. Und wir wissen: Jesus Christus hat sich den Armen in besonderer Weise zugewandt und es ist uns verheißen, dass wir ihm, unserem Herrn, in den Leidenden, Ausgestoßenen und Zu-kurz-Gekommenen begegnen. Die Kirche spricht hier von der Option für die Armen, die in ihrem Glauben grundgelegt ist. Es braucht, so scheint mir, solcher Art von Motivation, um den Kampf gegen die Armut und die Marginalisierung in unseren Ländern und in der Weltgesellschaft immer neu aufzunehmen und nicht der Resignation zu verfallen.

Was ist zu tun, um die Armut in der Welt wirksam zu bekämpfen? Vor allem bedarf es struktureller Veränderungen, die auf verschiedenen Ebenen ansetzen und, indem sie ineinander greifen, ihre volle Wirksamkeit entfalten:

  • Was in Ihrem Land erforderlich ist, können Sie, werte Damen und Herren, weit besser beurteilen als ich. Generell wird man sicher sagen dürfen, dass die Gewährleistung von Rechtsstaatlichkeit und Rechtssicherheit für alle, die Überwindung der Korruption, der Aufbau funktionierender öffentlicher Verwaltungen und die Verbesserung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Teilhabemöglichkeiten in vielen Entwicklungsländern wesentliche Voraussetzungen für die Überwindung von Armut darstellen. Dazu gehört auch, dass gesellschaftlicher Reichtum so verteilt wird, dass alle – und gerade auch die Ärmsten – davon profitieren.
  • Auf der internationalen Ebene – dies ist eben bereits angeklungen – müssen Handel und Finanzen in eine tragfähige Ordnung eingebettet werden. Aus der Erfahrung Europas wissen wir: Marktwirtschaft ist kein naturwüchsiger Zustand. Sie bedarf eines politisch verantworteten Ordnungsrahmens, der verhindert, dass die im Markt wirkenden Kräfte über Kurz oder Lang die Existenzgrundlagen der Marktwirtschaft untergraben. Wie auf nationaler, so muss auch auf internationaler Ebene dieser Ordnungsrahmen so ausgestaltet sein, dass die wirtschaftlichen und sozialen Belange der Armen wirkungsvoll berücksichtigt werden und ihnen faire Chancen der Beteiligung eröffnet werden.
  • Erforderlich ist darüber hinaus aber auch eine Strukturbildung von unten, die die Armen in die Lage versetzt, das Leben in die eigene Hand zu nehmen und ihre Interessen eigenständig selbst zu vertreten. Die Förderung von Basisgesundheitsdiensten, von Bildung und Ausbildung, Kleinkreditprogramme und Gewerbeförderung, aber auch der Aufbau von wirtschaftlichen und politischen Selbstorganisationen der Armen tragen dazu bei, dass Marginalisierung überwunden und gesellschaftliche Integration ermöglicht wird. Auch als Kirche – im Norden wie im Süden – fühlen wir uns herausgefordert, auf vielfältige Weise solche Prozesse zu unterstützen und so einen Beitrag zum Gemeinwohl, national wie international, zu leisten.

Ich bin Papst Benedikt XVI. dankbar, dass er der Bewahrung der Schöpfung in seiner Enzyklika breiten Raum einräumt. Immer mehr zeigt sich: Eine nachhaltige wirtschaftliche und soziale Entwicklung kann nicht gelingen, wenn die Menschheit weiterhin Entwicklungspfade wählt, die den Raubbau an den natürlichen Lebensgrundlagen als unvermeidliches Nebenprodukt achselzuckend in Kauf nehmen. Vor allem die klassischen Industrienationen, neuerdings und in zunehmendem Maße aber auch die Schwellenländer verbrauchen die nicht nachwachsenden Rohstoffe in einem menschheitsgeschichtlich atemberaubenden Tempo – vielfach ohne zu wissen, was in absehbarer Zeit an die Stelle dieser Ressourcen treten könnte. Das Artensterben, die Zerstörung ökologisch wichtiger Landschaften und steigende Emissionen sind Zeichen einer auf Dauer nicht tragfähigen Entwicklung. Dazu tritt der Klimawandel, der vor allem jene Weltgegenden bedroht, deren Bewohner am wenigsten zum übermäßigen Ausstoß von CO2 und anderen Klimagasen beigetragen haben.

Wenn die Menschheit eine gute Zukunft haben will, muss sie sich in anderer Weise als bisher dieser ökologischen Herausforderungen stellen. Man kann hier von einer dreifachen Verantwortung sprechen: 1.) der Verantwortung für die natürliche Umwelt, die der Mensch zwar nutzen, aber nicht verbrauchen darf; 2.) der Verantwortung für die Nachwelt, deren Lebensbedingungen vom ökologischen Erbe vorangegangener Generationen entscheidend mitbestimmt werden; und schließlich 3.) der Verantwortung für die globale menschliche Mitwelt, die zunehmend die ökologischen Konsequenzen einer nicht nachhaltigen Wirtschaftsweise zu spüren bekommt.

Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, dass allen voran die wohlhabenden Länder einen entscheidenden Beitrag zur Überwindung der ökologischen Krise leisten. Die Sorge um die Umwelt und die Sorge um die Armen dürfen dabei nicht auseinanderfallen. In diesem Sinne habe ich mich im Juni zusammen mit den Präsidenten aller Bischofskonferenzen aus den G 8-Ländern anlässlich des Gipfels in Italien in einem Brief an die dort versammelten Staats- und Regierungschefs gewandt, um zu unterstreichen: Der Schutz der Armen und der Schutz unseres Planeten dürfen nicht als Gegensatz, sondern müssen als eine doppelte moralische Priorität der internationalen Politik begriffen werden. Die Bekämpfung der Armut muss einhergehen mit den Anstrengungen, den globalen Klimawandel abzuschwächen und darüber hinaus armen Ländern zu helfen, sich an die negativen Folgen klimatischer Veränderungen anzupassen.

Die katholische Kirche, Sie wissen es, ist Weltkirche. Als Kirche stellen wir uns deshalb auch überall auf der Welt einer gemeinsamen Verantwortung. Seien Sie gewiss: Wir mühen uns und werden uns weiter mühen, die Weisheit, die Erfahrungen und die moralische Kraft, die uns im Glauben zuwächst und über Kontinente hinweg verbinden, in den Dienst einer Entwicklung zu stellen, die jedem Menschen und allen Menschen zugute kommt. Wir wollen dabei helfen, Not und Elend, Knechtschaft und Ausbeutung zu überwinden und eine Weltgesellschaft freier Menschen aufzubauen.

[1] Papst Johannes Paul II., Enzyklika „Sollicitudo rei socialis“, Nr. 9.

[2] Papst Benedikt XVI, Enzyklika „Caritas in veritate“, Nr. 53.

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Autor: Pressestelle Deutsche Bischofskonferenz
Kategorie: Reden des Vorsitzenden


31.08.09
14:22 Uhr

Ansprache von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch an die Diözesanpriester von Enugu anlässlich eines Besinnungstages zum Priesterjahr am 30. August in Enugu

Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst,

es war am Vorabend seiner Abreise nach Afrika, am 16. März dieses Jahres, als unser Heiliger Vater, Papst Benedikt XVI., uns mit der Ankündigung freudig überraschte, ein Jahr des Priesters auszurufen. Ein solches Priesterjahr hat für die Kirche von heute eine hohe Bedeutung. Wir stehen am Beginn des dritten Jahrtausends und erleben vielfältige Veränderungen und rasante Entwicklungen in einer Welt, in der die Menschen auf ganz unterschiedliche Weise miteinander vernetzt, untereinander verbunden und auch voneinander abhängig sind. Mitten hinein in diese Welt, mitten hinein in die Freuden und Sorgen, in Trauer und Angst der Menschen sind wir als Priester an ihre Seite gestellt. Ich lade Sie ein, liebe Mitbrüder, uns von den Überlegungen unseres Heiligen Vaters zum Jahr des Priesters anregen zu lassen und so gemeinsam auf unseren priesterlichen Dienst zu schauen.

1. Das Anliegen des Priesterjahres

Papst Benedikt XVI. möchte, so hebt er in seinem Schreiben vom 16. Juni zu Beginn des Priesterjahres deutlich hervor, dazu beitragen, „das Engagement einer inneren Erneuerung aller Priester für ein noch stärkeres und wirksameres Zeugnis für das Evangelium in der Welt von heute zu fördern“. Zu allen Zeiten, liebe Mitbrüder, sind wir gefragt, treue Zeugen für die frohe Botschaft, verlässliche Zeugen für das Leben in Fülle zu sein. Es braucht uns als Boten des Evangeliums, die in Wort und Tat bezeugen, dass ein Leben mit Gott frei macht und erfüllt. Ganz so, wie Papst Benedikt das Wesen und die Wirkung der Priesterweihe beschreibt, wenn er uns in Erinnerung ruft, dass sie  vor allem ein Geschenk ist, durch die  uns Priester die Teilhabe am Amt des einzigen Priesters Jesus Christus verliehen wird. Was wir als Priester wirken, verdankt sich darum nicht so sehr unserer eigenen Leistung als vielmehr dem, was uns mit unserer Berufung und Weihe geschenkt wurde. „Ich gebe, was ich selber nicht geben kann; ich tue, was nicht aus mir kommt; ich stehe in einer Sendung und bin zum Träger dessen geworden, was der andere mir übergeben hat“, so der Papst. Das Priesterjahr lädt also zunächst  uns Priester selbst ein,  uns neu  unserer je eigenen Berufung und Weihe zu vergewissern und  unsere Bindung an und Beziehung zu Jesus Christus zu vertiefen.

Mit der Gnade der Weihe verhält es sich wie mit anderen Gaben: die Freude und Dankbarkeit darüber wächst, je mehr man sich das Geschenkte zu Eigen macht. Natürlich bleiben wir als Priester auch Menschen mit Stärken und manchen Schwächen. Doch spüren die Menschen genau, ob unser Lebensstil dem Geschenk der Weihe entspricht oder nicht. Ich glaube, dies macht das Geheimnis des hl. Pfarrers von Ars aus, den der Heilige Vater in besonderer Weise zum Patron dieses Jahres gemacht hat: was er predigte, das lebte er auch. Das Leitwort des Priesterjahres „Die Treue Christi, die Treue des Priesters“ will auf diesen Zusammenhang aufmerksam machen: Es ist Gottes Gnade, seine Huld und Treue, die uns zu Priestern gemacht hat. Doch es braucht auch unsere Antwort, indem wir ohne Unterlass die Begegnung mit Jesus Christus suchen und aus dieser Quelle die Kraft für unser Handeln und Tun schöpfen.

Das Priesterjahr ist keineswegs nur für uns Priester da, sondern für die ganze Kirche. Denn das Geschenk des Priestertums ist ein Geschenk für die ganze Kirche, für alle Menschen, für die große, weltweite Gemeinschaft des Glaubens. „Der Priester ist nicht Priester für sich selbst, er ist es für euch“, sagt der hl. Pfarrer von Ars. Und so lädt das Priesterjahr alle ein, den Sinn für die Berufung und Sendung des Priesters unter den heutigen Bedingungen von Kirche und Gesellschaft zu vertiefen.

2. Die Herausforderungen des Priesterjahres

Wir erleben die Kirche in einer Phase vielfältiger Veränderungen. In Deutschland, wie in vielen anderen Ländern haben sich das Ansehen und die Stellung des Priesters in der Öffentlichkeit sehr verändert. In Europa befinden wir Christen uns heute vielfach in einer Minderheitensituation. Damit verbunden fallen für einen Priester manche Stützen weg, die früher sein Leben mitgetragen und geprägt haben. Ich denke etwa an die Beheimatung in einer großen Gemeinschaft von Gläubigen, die ausdrückliche Gläubigkeit und kirchliche Bindung vieler Menschen, das Verständnis für seine zölibatäre Lebensform, die anerkannte Stellung der Kirche in der Gesellschaft u.v.a.m. Und vergessen wir nicht, dass in nicht wenigen Ländern Priester, weil sie Priester sind, massivem Druck ausgesetzt sind, ja sogar verfolgt, bedroht und getötet werden.

Bei uns in Deutschland – wie in vielen europäischen Ländern – führen die genannten Veränderungen dazu, dass immer weniger junge Männer ihre Berufung zum Priester entdecken. In unseren Familien gibt es vielfach nur noch ein oder zwei Kinder, und nicht selten stellen sich starke Widerstände ein, wenn dann der einzige Sohn den Wunsch äußert, Priester zu werden. Oft finden die Kandidaten weder in der eigenen Familie noch im Freundeskreis Verständnis oder gar Zustimmung für ihren Berufswunsch. Eine Gesellschaft, in der das Ansehen der Kirche schwindet, macht es jungen Menschen nicht leicht, eine religiös motivierte Lebensform zu ergreifen.

Weltweit hat das Ansehen der Priester unter dem schlimmen Fehlverhalten einiger gelitten, die Kinder und Jugendliche in ihrer Würde verletzt und missbraucht haben. Wir sind alle mit betroffen von den Verfehlungen unserer Mitbrüder, die einen Schatten auf unsere Weihe und unsere Glaubwürdigkeit als Priester werfen.

Doch diese Schatten dürfen nicht all das überdecken, was täglich weltweit durch priesterliches Wirken der Verkündigung des Evangeliums, dem Aufbau des Reiches Gottes und damit dem gedeihlichen Miteinander der Menschheitsfamilie dient. Darum weiß ich nur zu gut aus unzähligen Begegnung und Gesprächen, die ich in meiner zwanzigjährigen Tätigkeit als Personalreferent und nun auch als Erzbischof erleben durfte und bis heute erleben darf. In großer Treue zu Christus und zur Kirche verrichten Priester ihren Dienst als „Lehrer des Wortes, Diener der Sakramente und Leiter der Gemeinde“.

3. Die Identität des Priesters

3.1 Das Evangelium im Leben und Handeln verkünden

In seinem Schreiben zum Beginn des Priesterjahres schärft Papst Benedikt XV.: unseren Blick dafür, worauf es ankommt: „In der Welt von heute ist es ebenso nötig wie in den schwierigen Zeiten des Pfarrers von Ars, dass die Priester sich in ihrem Leben und Handeln durch ein starkes Zeugnis für das Evangelium auszeichnen.“  Er knüpft damit an das an, was das Zweite Vatikanische Konzil über die Mitte des priesterlichen Dienstes schreibt: „Das Volk Gottes wird an erster Stelle geeint durch das Wort des lebendigen Gottes, das man mit Recht vom Priester verlangt. Da niemand ohne Glaube gerettet werden kann, ist die erste Aufgabe der Priester als Mitarbeiter der Bischöfe allen die frohe Botschaft Gottes zu verkünden, um so in der Erfüllung des Herrenauftrags: ‚Gehet hin in alle Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen’, das Gottesvolk zu begründen und zu mehren.“ (PO 4) Immer wieder erlebe ich in Gesprächen mit Priestern, dass sich viele genau dies wünschen: das Evangelium zu den Menschen zu bringen; den Menschen zu helfen,  Gott in ihrem Leben zu entdecken; Einzelne und Gruppen im Glauben zu begleiten; missionarische Initiativen und Projekte zu entwickeln; die Feier der Sakramente gut vorbereiten und gestalten zu können und nicht zuletzt Zeit für die geistliche Lesung und das persönliche Gebet zu haben. Oft möchten und müssen die Priester deshalb von anderen Aufgaben in der Verwaltung und Organisation entlastet werden.

3.2 Die Kirche als Gemeinschaft aufbauen

Das Zweite Vatikanische Konzil, liebe Mitbrüder, hat ein lange Zeit vergessenes Wort der frühen Kirche wieder aufgenommen, um die aus der Weihe und Sendung ausgehende Gemeinschaft der Priester zu kennzeichnen: „Die Priester ….. sind in inniger sakramentaler Bruderschaft miteinander verbunden. Besonders in der Diözese … bilden sie das eine Presbyterium. Trotz ihrer verschieden Ämter leisten sie für die Menschen den einen priesterlichen Dienst. Alle werden gesandt, an demselben Werk gemeinsam zu arbeiten, ob sie nun ein Pfarramt oder ein überpfarrliches Amt ausüben, ob sie sich der Wissenschaft widmen oder ein Lehramt versehen. [...] In dem einen kommen sie alle überein: in der Auferbauung des Leibes Christi, die besonders in unserer Zeit vielerlei Dienstleistungen und neue Anpassungen erfordert. Deshalb ist es von großer Bedeutung, dass alle einander helfen, damit sie stets Mitarbeiter der Wahrheit sind.“ (PO8) Priester sind wir also nicht für uns allein. Denn durch das Sakrament der Weihe sind wir im Heiligen Geist untereinander zur bleibenden sakramentalen Bruderschaft, zur communione fidei, verbunden. Jesus hat seine Jünger zwar persönlich, aber nicht als isolierte Einzelne berufen. Und nicht ohne Grund, bezeichnen wir uns als Mitbrüder!

Papst Benedikt XVI. spricht in seinem Schreiben zum Beginn des Priesterjahres von einer „radikalen Gemeinschaftsform“, die zum Amt des Priesters gehöre. Er kann seinen Dienst nur in der Gemeinschaft des Presbyteriums mit dem Bischof ausüben. Diese Gemeinschaft entsteht nicht von selbst, Gemeinschaft will gelebt und gestaltet werden. Was wir deshalb heute brauchen, ist eine Spiritualität der Kooperation, die den Priester befähigt, das, was zur „Gemeinschaftsform“ des priesterlichen Amtes gehört, auch existentiell und pastoral zu vollziehen.

Unsere Erfahrungen in Deutschland zeigen uns, dass der Priester heute mehr denn je zur Zusammenarbeit mit vielen anderen Berufungen, Berufen, Charismen und Diensten in der Kirche herausgefordert ist. Ich denke dabei etwa an das neu belebte Amt des Diakons in der Kirche, an die Katechetinnen und Katecheten und überhaupt an das weite Feld der Zusammenarbeit mit den zahlreichen Frauen und Männern, die sich ehrenamtlich in der Kirche engagieren oder hauptberuflich für die Kirche arbeiten. Ausdrücklich betont der Heilige Vater, dass die Zusammenarbeit der Priester auch auf die gläubigen Laien auszudehnen sei. Zu einer Spiritualität der Kooperation gehört, dass man von ganzem Herzen die „radikale Gemeinschaftsform“ des priesterlichen Amtes bejaht, dass man die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wertschätzt, dass man andere an der Planung und Gestaltung der pastoralen Aufgaben der Kirche beteiligt und ihnen dazu alle notwendigen Mittel, wie Informationen, Finanzen, Versammlungsräume usw. zugänglich macht.

Die Zusammenarbeit mit den vielen anderen Berufungen, Aufträgen und Sendungen in der Kirche kann uns Priester entlasten; es gibt manche Aufgaben, die auch andere in der Kirche übernehmen können. Aufgabe des Priesters ist es, die vielen Dienste und Aufgaben so zu einen, dass in allem die Verbindung mit Jesus Christus zur Geltung kommt und Jesus Christus als der gemeinsame Grund aller bezeugt wird.

3.3 Den Himmel öffnen und für die Menschen offen halten

Gott ist der einzige Reichtum, den die Menschen letztendlich in einem Priester finden wollen“, sagte der Heilige Vater anlässlich der Ankündigung des Priesterjahres. Das entspricht der Erfahrung, die wir auch in Deutschland machen. Viele Menschen suchen, auch wenn sie bislang keinen Kontakt zur Kirche hatten, an zentralen Grenz– und Wendepunkten ihres Lebens – wie Geburt, Heirat, schwere Lebenskrisen und Tod – einen Priester auf. Sie erhoffen sich vom Priester, dass er ihnen gleichsam den Himmel öffnet und offen hält. Der Priester soll sie mit Gott und der Welt des Heiligen in Verbindung bringen.

Die Welt heute braucht mehr denn je den Priester als einen „Mann Gottes“ (1 Tim 6,11), der es versteht, die Welt für das Heilige zu öffnen und das Heilige in der Welt gegenwärtig zu machen. Diesem Dienst  können wir nur dann gerecht werden, wenn wir uns selbst unablässig um eine persönliche Beziehung zu dem Heiligen Gottes, wie das Evangelium Jesus Christus auch nennt (Joh 6,69; Mk 1,24), und um einen Lebensstil bemühen, der dem des Herrn entspricht.

Der Priester als „Mann Gottes“, ja als „Diener Christi“ (1 Kor 4,1) wird dann auch in der Suche nach einer gerechten und friedlichen Gesellschaftsordnung die Stimme des Evangeliums zur Sprache bringen können. Denn nicht nur die Einzelnen, sondern auch die Gesellschaften in unseren Ländern brauchen diesen prophetischen Dienst des Priesters. Wie sehr Sie, liebe Mitbrüder, hier in Ihrer Heimat gefordert sind, darauf weist das Thema hin, mit dem sich die Sonderversammlung der Synode für Afrika im Oktober befassen wird. Es geht um die Kirche „im Dienst der Versöhnung, der Gerechtigkeit und des Friedens“. Selbstverständlich sind dabei die Eigenständigkeit des Staates und seine spezifische Verantwortung zu respektieren. Auch ist es nicht Aufgabe des Priesters, ein politisches Mandat auszuüben. Hier sind gläubige Frauen und Männer gefragt, in die Politik ihr christliches Bekenntnis einzubringen.

Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst, die Begegnung mit Ihnen heute gibt mir die Gelegenheit, Ihnen aufrichtig zu danken für Ihren Einsatz und Ihr Zeugnis für das Evangelium hier in Nigeria. Die Kirche von Nigeria ist reich an Berufungen zum Glauben und zum Priesteramt. Das macht auch uns in Deutschland Mut, dem Versprechen des Herrn zu trauen, dass er uns, die Seinen nicht allein zurücklässt. Und erfahren wir nicht auch etwas von dieser Zusage des Herrn, wenn sich die Ortskirchen aus verschiedenen Kontinenten gegenseitig den jeweiligen Reichtum mitteilen? Wer in der gegenseitigen brüderlichen Ermutigung und Tröstung den Trost Gottes spüren darf, der kann in die Worte des Apostels Paulus einstimmen: „Ich freue mich, dass ich in jeder Hinsicht auf euch vertrauen kann“ (2 Kor 7,16). Möge Gott dieses Vertrauen auf ihn und untereinander in der großen Gemeinschaft des Glaubens immer mehr stärken und uns daraus täglich neu Kraft schöpfen lassen für unseren priesterlichen Dienst. In dieser Verbundenheit schließe ich Sie und die Kirche von Nigeria in mein Gebet ein.

Dazu segne Sie der dreifaltige Gott, der + Vater und der + Sohn und der + Heilige Geist.

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Autor: Pressestelle Deutsche Bischofskonferenz
Kategorie: Reden des Vorsitzenden