Beim Emir von Wase
Gestern Abend konnte ich in Jos den Emir von Wase, Seine Königliche Hoheit Alhaj Abdullahi Harun Maikano, treffen. Er hatte gleich noch den zweiten Emir der Provinz, Alhaji Mohammad Dou, mitgebracht. Beide sind drei Stunden gefahren, um sich mit dem Erzbischof von Jos, Ignatius Kaigama und mir zu treffen. Es ist eine beeindruckende Begegnung von großer Herzlichkeit und einem echten Dialog. 2001 und 2003 hatten in Jos die gewaltsamen Konflikte zwischen Muslimen und Christen begonnen. “Wir haben danach zueinander gesagt: Schluss jetzt, das muss ein Ende haben. Wir sind Brüder und Schwestern des einen Schöpfergottes. Eine Zukunft gibt es nur gemeinsam”, erklärt Erzbischof Kaigame.
Ich habe einige grundsätzliche Anmerkungen zur Religionsfreiheit als grundsätzliches Menschenrecht gemacht (s. Reden in diesem Blog). Wahre Religionsfreiheit muss Gott und den Menschen anerkennen. Es gibt keine Alternative zum Dialog. Das hat bereits das II. Vatikanische Konzil bestätigt, an das ich in Jos erinnere. Ich bin dankbar, dieses Beispiel gelebten Dialogs in Jos zu erleben. Es ist kein aufgesetzter Versuch, sich irgendwie zu verstehen, sondern ich nehme eine Bereitschaft zum Frieden untereinander wahr, die dem Herzen entspringt.
“Wir sind der Friede”, sagt der Emir von Wase. “Wir müssen einander zuhören und wir müssen lernen, einander zu verzeihen. Wenn wir als Verantwortliche in den Religionen das unseren Gläubigen vermitteln, gelingt es, stabile und dauerhafte Brücken zu bauen”, fügte der Emir hinzu. Später bitten mich die Emire und der Erzbischof, sie beim Kondolenzbesuch der Familie des gerade verstorbenen Imams der Großen Moschee von Jos zu begleiten. Alhaji Saaid Amahjaa galt als zentrale theologische Persönlichkeit Nigerias und wurde 107 Jahre alt. Der Einladung folge ich gerne, rasch geht es ins Stadtzentrum von Jos. Eine große Trauergemeinde hat sich versammelt, die Menschen ganzer Straßen laufen zusammen als wir ankommen. Zwei Erzbischöfe bei der Familie des Imam – das sind seltene Momente in Jos. Aber es sind Momente, die in vielen Teilen der Bevölkerung gefeiert werden. Die Muslime bitten mich des Verstorbenen in meinen Gebeten zu gedenken. Nachher verabschiede ich die beiden Emire, die sich zum Ende des abendlichen Ramadan zurückziehen. “Ich komme, um die Brücke auszubauen”, sagt mir Emir Haruna. Bereits in wenigen Wochen wird er mit Erzbischof Kaigame in Deutschland sein. Nach dem gestrigen Tag bin ich überzeugt: Dialog kann gelingen!
