Vom Leben der Kirche in Nigeria
An diesem Montag (also gestern) waren wir den ganzen Tag in der nigerianischen Hauptstadt Abuja unterwegs. Eines der Ziele ist das Sekretariat der Nigerianischen Bischofskonferenz, wo wir eindrucksvoll von den vielfältigen Aktivitäten der katholischen Kirche Nigerias hören. Gerechtigkeit und Frieden sind die Schlüsselbegriffe, mit denen hier gearbeitet wird. Später komme ich zu der Überzeugung, gewissermaßen als Zwischenbilanz: Ich durfte schon viel lernen. Diese Reise hat sich bisher in jeder Hinsicht gelohnt.
Vor allem abends im Gespräch mit Gästen in der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland erfahre ich noch mehr über die politischen Realitäten. Wer verdient wieviel am Ölreichtum, wer forciert das Bruttosozialprodukt, warum entstehen mit einem Mal in Städten, in denen es bisher kaum islamischen Einfluss gab, ungezählte Moscheen? Und es sind die ganz tiefgreifenden sozialen Probleme, von denen ich höre, bei denen ich wieder erfahre, dass es die Kirche ist, die an der Seite der Armen steht und Solidarität nicht nur predigt sondern auch konkret lebt: der Kampf gegen Aids, der Kampf gegen Frauen- und Kinderhandel, der Einsatz für Straßenkinder, das Engagement in den Slums auch in der noch jungen Hauptstadt Abuja. Und mir wird die Frage gestellt: Was kann die katholische Kirche gegen die aufkommenden Sekten tun, die – so wird mir gesagt – in europäischer und oft auch nigerianischer Sicht die essentielle Botschaft des Christentums verwässern und damit eine Gefahr für die öffentliche Wahrnehmung der katholischen Kirche sind. Kurzum: Was ist das konkret spezifisch Katholische im Christentum, das uns von den anderen sichtbar trennt und das in der Kirche Nigerias offensiv vermittelt wird. Dieses Problem der Sekten habe ich auf der Reise bisher latent gehört und mit eigenen Augen gesehen. Es ist für mich an diesem Abend in Abuja noch deutlicher geworden.
