01.09.09
21:58 Uhr

Bei den Ärmsten der Armen

Wir sind in Kaduna, rund 200 Kilometer nördlich von Abuja, angekommen. Buschsavanne hat uns auf der Reise hierher begleitet, der tropische Regenwald liegt endgültig hinter uns. Eindrucksvoll sind die geologischen Gesteinsformationen: Zuma-Rock erinnert an einen allein in der Landschaft stehenden Zuckerhut, ein gigantischer Felsen mit steil abfallenden Wänden.

Was bisher eine Reise im überwiegend christlich geprägten Süden, dann im christlich-muslimisch gemischten Großraum von Abuja war, führt mich jetzt zu den Christen in der Minderheit. Die Moscheebauten am Straßenrand sind zahlreich, die Kirchen, die es gibt, sind ebenfalls an Größe beeindruckend. Aber schon außerhalb der größeren Städte, so auch außerhalb Kadunas, ist die Armut groß. Erzbischof Matthew Man’Oso von Kaduna erinnert eindringlich an das, was sich die Menschen hier wünschen: Teilhabe an den Lebensgrundlagen und damit an der sozialen Entwicklung. „Die jüngste Untersuchung der Zentralbank Nigerias hat gezeigt, dass hier im Norden die höchste Armutsrate zu finden ist. Die Ärmsten der Armen leben in unserer Provinz. Entwicklungshilfe will der Staat leisten, aber wir als Kirche sind mindestens genauso gefragt“, berichtet Erzbischof Matthew. Tatsächlich: Den Ärmsten der Armen kann ich hier begegnen, Armut vereint Muslime und Christen. Und doch ist die Gefahr groß, dass der Islam sich noch schneller ausbreitet als bisher angenommen. Im Gespräch spüre ich den inneren Drang, den katholischen Glauben den Menschen zu bringen. Erzbischof Matthew achtet auf gute Beziehungen zu den Muslimen im Bereich seines Erzbistums: „Wir müssen miteinander im Gespräch bleiben. Nicht theoretisch, sondern in den konkreten Lebenssituationen aller Menschen. Hilfe zur Selbsthilfe muss alle Menschen erreichen, Muslime und Christen“, sagt er.

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Autor: Erzbischof Dr. Robert Zollitsch
Kategorie: Reisetagebuch